Wiener Stadtrat lobt Team der Ernst-Reuter-Schule

Jürgen Czernohorszky Sandra Scheeres Andreas HuthSchuldirektor Andreas Huth präsentierte seinem Gast aus Wien die Erfolge der Ernst-Reuter-Oberschule. Zu Besuch kam aus der österreichischen Hauptstadt der Stadtrat für Bildung Jürgen Czernohorszky. Begleitet wurde er von der Berliner Senatorin für Bildung Sandra Scheeres. Andres Huth berichtete, wie in den letzten Jahren die Zahl der Schulabbrecher verringert wurde und zeigte unter anderem das Vivarium der Schule

"Ich habe ein Lehrerteam erlebt, das sich in einer Schule in schwierigem Umfeld, außergewöhnlich stark für seine Schule einsetzt", sagte der Wiener Stadtrat nach dem Rundgang durch die Ernst-Reuter-Oberschule in der Stralsunder Straße. Auf die Bereitschaft der Lehrer käme es für den Erfolg einer Schule an. Zuvor hatten ihm einige Lehrer berichtet, dass sie gerne an der "oft als Brennpunktschule abgestempelten Ernst-Reuter" unterrichten. Ein Grund dafür sei, dass "das Kollegium jung ist". Ein Lehrer, der aus "privaten Gründen von einem Gymnasium aus Baden-Württemberg" an die ISS im Brunnenviertel wechselte, erzählte, dass er ein völlig falsches Bild gehabt hätte: "Es ist nicht so, dass hier alles ausweglos ist". Auch für ihn ist entscheidend, dass im Team eine "gute, offene Atmosphäre herrsche".

Sandra Scheeres Andreas HuthMit nach Wien nimmt der Bildungsstadtrat, dass "Bildungspolitik stärker auf die Ebene der Schulen blicken muss". Damit meinte er zum Beispiel die Anfang des Jahres in Berlin als Qualitätsoffensive eingeführten Schulverträge. Dabei werden "Jahresziele der Schule und die Unterstützung durch die Schulaufsicht definiert", wie es auf Webseite der Senatsschulverwaltung heißt. Im Kern geht es bei den Schulverträgen darum, für jede Schule individuelle Ziele zwischen Schulleitung und Verwaltung zu vereinbaren. Außerdem sei für ihn als Bildungspolitiker "die Arbeit am Lehrerteam notwendig", das sei in "besonderem Maße eine Führungsaufgabe". Auch mit dieser Aussage zielt er darauf, dass es nötig sei von "systemischen" Denken "für alle" Schulen weg und hin zu einem Denken mit individuellen Lösungen zu kommen.

Jürgen CzernohorszkyEinige Pädagogen erklärten dem Stadtrat aus Wien wie die praktische Ausbildung der Referendare aber auch der Quereinsteiger ablaufe. Teilweise 25 auszubildende Lehrer gleichzeitig müssten an der Ernst-Reuter-Schule betreut werden, sagt Lehrer Max Eggert. Damit diese Aufgabe nicht planlos nebenher laufe, habe man ein eigenes Konzept entwickelt. "Viele der jungen Lehrer bleiben deshalb nach der Ausbildung bei uns", sagt Max Eggert in Anspielung auf Berichte, dass junge Lehrer gern nach Brandenburg ins sichere Beamtenverhältnis wechseln. Grund für das Bleiben an der Ernst-Reuter-Oberschule sei, dass man in der praktischen Ausbildung auf die speziellen Anforderungen an einer Schule mit vielen Schülern, die ihre Schulbücher nicht selbst bezahlten, eingehe. "Eigentlich müsste die didaktische Lehrerausbildung an der Universität viel diverser sein", so Max Eggert. Denn es gäbe nicht die eine Schule, sondern unterschiedliche Schultypen, die unterschiedliche didaktische Kompetenzen erforderten, wenn "man nicht immer bloß zu Disziplinar- und Ordnungsmaßnahmen greifen wolle."   

Beim Rundgang zeigte Direktor Andreas Huth die Arbeit der besonderen Sprachförderung seiner Schule, die breite Unterstützung bei der Berufsfindung und nicht zuletzt das Vivarium. Lehrer Ruschin hegt Schrecken, Echsen und Hamster, die von Schülern in den Pausen gefüttert und gepflegt werden.

Anlass für den Berlinbesuch des Stadtrats Jürgen Czernohorszky war die Verleihung des Innovation in Politics Award am Tag zuvor. Der Stadtrat war mit dem Projekt Summer City Camps Wien ins Finale des europäischen Preises gelangt. Die Reise nach Berlin nutzte er, um sich in der Ernst-Reuter-Oberschule vor Ort den Erfolg des Programms Turnaround anzusehen. Turnaround ist ein Förderprojekt der Robert-Bosch-Stiftung für Schulen in sozial schwierigen Stadtteilen.

Mehr Fotos vom Besuch sind (auch ohne Registrierung) auf Facebook zu sehen: Album Besuch Jürgen Czernohorszky

Sandra Scheeres Andreas Huth

05.12.2019

Text und Fotos Andrei Schnell