Erste Wohngruppe in Freundschaft eingezogen

+-60 In Freundschaft WohnenFür manch einen ist das Alter ein Schicksalsschlag, obwohl es doch jeden trifft. Doch sechs ältere Frauen im Kiez wollen sich nicht geschlagen gegeben durch das, was sich im Leben jenseits der 60 so ändern kann. „Wir waren immer selbstbestimmte Menschen, das wollen wir bleiben“, sagen sie. Deshalb haben sie im März 2013 eine Mietergruppe gegründet - nun sind sie zusammen in die Usedomer Straße eingezogen.

Wir mussten uns mit unserer Idee fünf Jahre lang gegen manche Widerstände durchschlagen. In diese Worte könnte man zusammenfassend packen, was drei der sechs Frauen im Namen der Mietergruppe +-60 in Freundschaft wohnen erzählen. Genannt werden wollen sie Bärbel, Sabine und Angela. Wichtig ist den dreien, für die gesamte Gruppe zu sprechen, einzelne Namen seien da nicht so wichtig.

Ältere für Ältere

Der Name sagt bereits, dass die Gruppe von Älteren für Ältere gegründet wurde. Motiv war „gegenseitige Unterstützung, sozial und körperlich“. Dass für Seniorinnen und Senioren bei Unterstützung an besondere Aufgaben denken, ist ihnen bewusst und ausdrücklich Teil ihres Konzepts. „Wir wollen uns um einander kümmern, im Alter nicht allein leben und aktive Mieter sein“, beschreiben es Bärbel, Sabine und Angela.

Formal ist die Mietergruppe im Neubau in der Usedomer Straße ein Verein - auch wenn jede einzelne Frau privat eine Wohnung anmietet. Als +-60 in Freundschaft wohnen e.V. haben sie mit der Vermieterin, der Degewo, einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Darin steht, dass sie von der Wohnungsbaugesellschaft bei der geplanten öffentlichen Kulturarbeit im Stadtteil unterstützt werden. Wenn Wohnungen im Haus frei werden, darf der Verein Mitglieder als neue Mieter vorschlagen. Und sie übernehmen eine Patenschaft für den Hof. Um bei seiner Arbeit noch schlagkräftiger zu werden, ist der Verein für Interessierte und Neumitglieder offen. Zunächst soll er im Kiez bekannt gemacht werden.

Erste erfolgreiche Mietergruppe nach 2014

Unter den Mietergruppen, die nach 2014 gestartet sind, ist +-60 in Freundschaft wohnen, das erste Projekt, das als Mietergruppe bei einem Wohnungsunternehmen eingezogen ist, erzählen die drei Frauen. Dass sie es geschafft haben, liegt daran, dass sie wissen, wie man sich durchschlägt. „Wir waren frech, wir waren hartnäckig, wir haben gerackert“, blicken sie auf anstrengende Jahre zurück. „Nun sind wir Pioniere“. Ursprünglich waren sie 19 Mitglieder, darunter auch Männer. Durchgehalten haben sechs Frauen.

Unterstützt wurden sie von der Stattbau Stadtentwicklungsgesesllschaft mbH im Auftrag des Senats. Deren Aufgabe ist der Betrieb der Netzwerkagentur GenerationenWohnen, die „Ideengeberin für gemeinschaftliche Wohnprojekte, Beraterin in allen Fragen des generationenübergreifenden Wohnens, Unterstützerin bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Projektidee und Vermittlerin zur Wohnungswirtschaft, zu Wohnungsgenossenschaften und privaten Haus- und Grundstückseigentümern“ sein soll. So beschreibt es Peter Meiwald von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Die Frauen hätten sich darüberhinausgehende durchschlagendere Unterstützung gewünscht.

Bekannt sind Baugruppen oder Genossenschaften. Mietergruppen gibt es in Berlin wenige. Mietergruppen sind Zusammenschlüsse von einzelnen Personen, für die gemeinsames Leben und Wohnen ein schlagendes Argument ist.

Links
Infos zum Projekt +- 60 In Freundschaft Wohnen

Usedomer Straße

20.11.2018

Text und Fotos: Andrei Schnell