Vor 20 Jahren startete Quartiersmanagement

20 Jahre QuartiersmanagementIn diesem Jahr feiert das Berliner Verfahren des Quartiersmanagements sein 20-jähriges Jubiläum. Uns so begann alles: Im März 1999 beschloss der Berliner Senat ein Städtebauförderungsprogramm einzuführen. Dieser Beschluss gilt als Geburt des Quartiersmanagement. Der zuständige Senator für Stadtentwicklung im Senat Eberhard Diepgen (CDU) hieß damals Peter Strieder (SPD).

Anlass: soziale Entmischung beobachtet

Die ersten 15 Gebiete, in denen in Berlin ein Quartiersmanagement eingeführt wurde, wurden vier Kulissen zugeordnet. Das waren Altbaugebiete Ost und West sowie Großsiedlungen Ost und West. Als Hauptproblem wurde damals die "Mobilität" wahrgenommen. Gemeint war damit die Umzugsrate. Sie lag in der Spitze in manchen Stadtteilen bei 20 Prozent. Allerdings wurde nicht der einfache Umzug als Problem wahrgenommen, sondern die damit verbundene Entmischung der Kieze. Fortzug und Zuzug nach der Wiedervereinigung führten in den 1990er dazu, dass sich Menschen mit geringen Einkommen in bestimmten Stadtteilen konzentrierten, während Haushalte mit guten Einkommen sich in anderen Stadtteilen zusammenfanden. Gemessen wurde Entmischung an den Faktoren "hohe Arbeitslosigkeit, hohe Sozialhilfedichte und hohe Ausländeranteile" (Bericht gesamtstädtische Strategie 1999).

Zauberwort "integriert" = Beteiligung

Von Beginn an stand das Förderprogramm Quartiersmanagement unter der Überschrift "integriertes Handeln". Im Bericht für eine gesamtstädtische Strategie hieß es 1999: "Auf Grund der vielschichtigen Überlagerung von wirtschaftlichen, sozialen, ethnischen und städtebaulichen Problemen ist eine integrierte Quartiersentwicklung notwendig." Weiter: "Durch integriertes Handeln und vernetzte Maßnahmen" ist eine positive Entwicklung zu bewirken.

Mit dem Begriff "integriertes Stadtteilverfahren" wurde auf die Erfahrungen der so genannten Behutsamen Stadterneuerung aus 1980er Jahren in Westberlin Bezug genommen. Zentrales Merkmal dieses Förderverfahrens war die Beteiligung der im Fördergebiet lebenden Menschen. Der Stadtplaner Hardt-Waltherr Hämer hatte zwölf Grundsätze dieser sozial- und bewohnerorientierten Förderung formuliert.

Galt es in den 1980er Jahren Proteste aus der Bevölkerung für eine konstruktive Mitarbeit fruchtbar zu machen, so zeigte sich in 2000er Jahren, dass es eine wichtige Aufgabe des Quartiersmanagements sein musste, das Interesse der Menschen an ihren Stadtteil erst einmal zu wecken.

2004 kam es zu einer Neuausrichtung des Programms. Betont wurde darin unter anderem die Wichtigkeit eines Vorortbüros, des Handlungskonzeptes und der Bewohneraktivierung.

20 Jahre Quartiersmanagement

Vor 20 Jahren lag ein Schwerpunkt der Arbeit des Quartiersmanagements in der Berliner Innenstadt und damit auch in Friedrichshain und im Prenzlauer Berg. Die zeitlich befristete Hilfe hat sich für viele dieser Gebiete längst erübrigt. Heute liegen viele der aktuell 34 unterstützten Gebiete in den Ortsteilen Wedding, Neukölln und Kreuzberg.

Aktuell wird das Quartiersmanagementverfahren von einer Phase der Reflexion begleitet. In einem Thesenpapier, das auf dem Quartiersrätekongress 2018 vorgestellt wurde, werden Erfolge und Verbesserungsmöglichkeiten für die künftige Arbeit vorgestellt. Schwerpunkt der Arbeit wird auch in Zukunft die Beteiligung sein, wobei auch Gruppen erreicht werden sollen, die bislang unterrepräsentiert sind.

Feier

20 Jahre Quartiersmanagement in Berlin wird auch groß gefeiert. Ein Höhepunkt wird der Tag der Städtebauförderung am 11. Mai und ein Festempfang im Spätsommer 2019 sein. Am 28. März findet ein Presserundgang statt. Verschiedene Berichte über das Quartiersmanagement sind in diesem Jahr zu erwarten. Ob auch das Gebiet Ackerstraße ins Fernsehen kommen wird?

Links
Bericht zur Entwicklung einer gesamtstädtischen Strategie zur Entschärfung sozialer Konflikte besonders belasteter Stadtquartiere 1999
Strategische Neuausrichtung 2004
Webseite zum Reflexionsprozess mit Thesenpapier

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25.03.2019

Grafik: Quartiersmanagement