Älteste Einwohnerin Mittes feiert Geburtstag im Brunnenviertel

Ihren 108. Geburtstag feierte Hedwig Heberlein, Bewohnerin der Pflegeabteilung des Lazarus-Haus-Berlin. Seit 8 Jahren lebt die möglicherweise älteste Berlinerin im Brunnenviertel. Im vierten Stock des Pflegeheims an der Bernauer Straße lebt sie auch mit 108 Jahren noch in großem Maße selbtständig. Zuvor lebte sie viele Jahrzehnte in Kreuzberg und Rudow. Mit einem mitleidigen "Sie haben ja so kalte Hände", begrüßte sie ihre Gäste.

Die Hochbetagte ist eine von rund 1.400 Berlinern und Berlinerinnen, die derzeit über 100 Jahre alt sind. In Mitte ist sie nach Auskunft von Bezirksbürgermeister Christian Hanke "definitiv die älteste Einwohnerin" - vielleicht ist sie sogar die älteste Berlinerin überhaupt. Geboren wurde sie am 16. Januar 1908 in Pommern. Mit 17 Jahren kam sie nach Berlin und wurde bei einem Bäckermeister der Verwandtschaft zur Bäckerin ausgebildet. Mit 27Jahren wurde sie zum ersten Mal Mutter und es war klar, dass sie von da an Hausfrau sein würde. Ihr Mann entschied: "Meine Frau arbeitet nicht". Eine Frage der Ehre in den 30er Jahren. Ein Straßenbahnfahrer hatte zu zeigen, dass er seine Familie ernähren kann. So ging Statusdenken in einer Zeit ohne Autos.

1941 siedelte sie mit ihren Kindern nach Westpreußen, nur um im Januar 1945 auf einem vierwöchigen Trek wieder nach Berlin zurückzukehren. Sie lebte in West-Berlin. Noch mit 98 Jahren ging sie auf einer fahrenden Rolltreppe die Stufen hinab. Nach einem Leben als "Wanderin", die immer gern in der Natur war, kam abwarten offenbar für sie nicht in Frage. 

Von ihren vier Kindern kam zum Jubiläum die 81jährige Tochter. Auch Heimbewohner gratulierten. Offizielle Gäste waren Bezirksbürgermeister Christian Hanke und der Geschäftsführer der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, Martin Wulff. Die Stiftung ist Träger des Lazarus-Haus-Berlin.

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Lazarus-Haus

16.01.2016

Text und Foto: Andrei Schnell